16. - 29.4.: Frankfurt liest ein Buch

 

16. bis 29. April
Frankfurt liest ein Buch
Anna Seghers „Das siebte Kreuz“

In diesem Jahr findet Frankfurt liest ein Buch in Stadt und Region zum neunten Mal statt. Im Mittelpunkt steht ein Roman, der für das Rhein-Main-Gebiet treffend ausgewählt wurde: „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers (Aufbau Verlag). Das Programm umfasst mehr als 120 Veranstaltungen in Frankfurt und Region – bis hin nach Bad Homburg, Wiesbaden, Gießen und erstmals auch in Mainz und Worms in Rheinland-Pfalz von Lesungen über Vorträge, Theater-/Museums-/Opern- und Filmabende, literarische Exkursionen bis hin zu Stadtrundgängen.

Anna Seghers, 1900 als Netty Reiling in Mainz geboren, ist eine der großen Töchter dieser Region. Als Jüdin und Kommunistin in Nazideutschland doppelt gefährdet, schrieb sie „Das siebte Kreuz“ 1938/39 im französischen Exil und verlegte die Handlung des Romans in die Landschaft, mit der sie stärker verbunden war als mit jeder anderen: Die Flucht des KZ-Häftlings Georg Heisler beginnt bei Worms und führt ihn bis nach Mainz und Frankfurt/Main, wobei viele konkrete Orte beschrieben werden. Die Geschichte dieser Flucht vor den Nazis avancierte 1942 in den USA zum Bestseller und wurde mit den Illustrationen von William Sharp (alias Leon Schleifer, 1900–1961) in eindrucksvollen Bildfolgen in über einem Dutzend amerikanischer Tageszeitungen abgedruckt. Anna Seghers kehrte 1947 aus dem Exil in Mexiko nach Berlin zurück, wo sie 1983 starb.

Sieben Gefangene sind aus dem KZ Westhofen entflohen. Das ist ein Schlag ins Gesicht ihrer Unterdrücker, die sich unerbittlich an ihre Fersen heften und ein Exempel an ihnen statuieren wollen. Unter Aufbietung all ihrer Kräfte greifen die Flüchtigen nach der Freiheit. Aber nur einer von ihnen kann entkommen. Anna Seghers hat den Verfolgten der Nazi-Zeit ein Denkmal gesetzt. „Das siebte Kreuz“ ist eine der mutigsten Geschichten gegen das Hitler-Regime und bis heute spannender Lese- und gewichtiger Lehrstoff in einem. Der Roman, der zuerst 1942 in englischer Sprache, kurz darauf im mexikanischen Exilverlag El Libro Libre in deutscher Sprache erschien, machte die Autorin weltberühmt. Er wurde zu einem Bestseller. Der Stoff wurde 1942 in einer Comic-Fassung und in der Verfilmung des österreichischen Emigranten Fred Zinnemann 1944 in den USA populär, noch bevor der Roman seine Leser in Deutschland erreichte. Von allen Werken von Anna Seghers ist er unumstritten das bekannteste. Sie habe mit dieser Fluchtgeschichte, sagte Anna Seghers, die Struktur des ganzen Volkes aufrollen wollen. Aus der Perspektive des sozialen Romans schafft sie die bedeutendste analytische Darstellung der nationalsozialistisch formierten Gesellschaft. Der Roman zerlegt die Motive der funktionierenden Mitmacher, der kalkulierenden Karrieristen, der eingeschüchterten früheren Oppositionellen, der Funktionsträger des Regimes und derjenigen, die dem Flüchtling helfen.
 

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